
Manchmal muss man einfach loslaufen, um anzukommen. Am Anfang, im November, war es nur ein Versuch – ein Kampf gegen den inneren Schweinehund und der Beginn der Idee, die beste Version meiner selbst zu werden. Heute, kurz vor meinem ersten Halbmarathon, ist das Laufen viel mehr für mich geworden: Es ist meine Auszeit. Meine Therapie. Mein Weg, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

Das Verrückteste am Laufen ist nicht die körperliche Anstrengung. Es ist die Entdeckung von Orten, die ich ohne das Laufen wohl nie kennengelernt hätte. Ich habe Ecken meiner Heimatstadt entdeckt, an denen ich noch vor ein paar Monaten einfach blind vorbeigegangen wäre.
Heute war so ein Tag. Ich bin einfach von meinem üblichen Weg abgebogen, mit dem Ziel, Neues zu entdecken – und ehe ich mich versah, stand ich plötzlich tief im Wald. Es war magisch. Die Sonne fiel so tief durch die noch kahlen Bäume, das ganze Grün am Boden schien zu leuchten. Und dann stand ich vor diesem kleinen Bach. Keine Brücke, nur ein altes Rohr. Ich dachte mir nur: „Das musste ja so kommen.“

Also balancierte ich kurzerhand über den Bach. Dahinter ging es weiter – allerdings nicht mit Laufen, sondern mit einem Drunter und Drüber aus umgestürzten Bäumen. Für einen Moment war ich nicht der Läufer, der stur seine Kilometer abspult. Ich war der Entdecker. Genau diese unerwarteten Momente sind es, die mich jetzt immer wieder antreiben.

Es war ein großartiges Gefühl, ganz bewusst die ausgetretenen Pfade zu verlassen und neue, unbekannte Wege zu gehen. Es ist unglaublich, wie viele tolle Entdeckungen abseits der gewohnten Routen warten, wenn man nur bereit ist, genau hinzusehen. Manchmal liegt das Abenteuer eben nicht meilenweit entfernt, sondern direkt hinter der nächsten Biegung – man muss nur den Mut haben, einfach mal abzubiegen.

Später wurde es langsam dunkel. Der Übergang vom Tag in die Nacht ist immer wieder faszinierend. Es ist dieser magische Moment, in dem die Stadt zur Ruhe kommt. Ich bin so glücklich, dass ich das Laufen für mich entdeckt habe. Es ist mein ganz persönlicher „Pfad des friedvollen Kriegers“ – ein Weg, auf dem ich nicht weglaufe, sondern zu mir selbst finde.

Ich bin jetzt 36 Jahre alt, aber durch das Training seit November fitter denn je. Ich fühle mich bereit für den Halbmarathon – und für alles, was in der Zukunft noch auf mich wartet.

